WIE WIRKT DIE BLUTEGELTHERAPIE ?

Der Biss des Egels löst einen Reiz auf der Haut des Patienten aus. Dieser Reiz wiederum stimuliert die inneren Organe. Zuständig dafür sind gewisse Nervenbahnen, die innere Organe - wie auch bestimmte äußere Hautzonen gleichzeitig versorgen. Schmerzen in o.g. korrespondierenden Hautarealen können wichtige diagnostische Hinweise auf erkrankte innere Organe geben.

Beispiele für dieses Phänomen sind die in den linken Oberarm ausstrahlenden Schmerzen beim Herzinfarkt, oder Schmerzen über der Schulter bei einer Zwerchfellerkrankung.

Hirudo Medicinalis (Blutegel)
Hirudo Medicinalis (Blutegel)

Der Speichel des Egels wirkt hervorragend bei akuten- und chronischen Schmerzen. Es kommt dem knöchernen- wie auch dem muskulären Bewegungsapparat zugute, aber auch Nervenschmerzen können günstig dadurch beeinflusst werden. Durch gewisse Substanzen im Speichel wird nicht nur die Region betäubt, an der der Egel angesetzt wurde, sondern die schmerzstillenden Eigenschaften des Egelspeichels erreichen auch entferntere, tiefer gelegene Schichten des Körpers.

Die gefäßerweiternden, durchblutungsfördernden Eigenschaften können gut bei arteriellen Durchblutungsstörungen, aber auch bei Krampfadern, Venenentzündungen, Hämorrhoiden und offenen Beinen genutzt werden. Selbst in der Wiederherstellungschirurgie nutzt man gerne diese Wirkweise nach Re-Transplantationen einzelner Gliedmaßen und anderem.

Verklebungen von Körperhohlräumen (Harnröhre, Eileiter, etc.), entstanden nach operativen Eingriffen, einer Eileiterschwangerschaft und/oder Entzündungen, wie auch kleinste Blutgerinnsel (Mikro-Thromben) können durch bestimmte Wirksubstanzen im Egelspeichel aufgelöst werden.

Der Speichel des Egels enthält eine Wirksubstanz, die die Erhöhung der Gewebsdurchlässigkeit ermöglicht. Das bedeutet: die restlichen Wirksubstanzen des Egelspeichels erreichen mit dieser Art Transporter/Vehikel schneller ihren Bestimmungsort. Es besteht sogar die Möglichkeit – natürlich nur in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt – dass die Dosis der bisher eingenommenen Medikamente möglicherweise reduziert werden kann. Denn durch o.g. Effekt lässt sich ein "Anfluten" (= schnelleres Erreichen der Wirksubstanz am Bestimmungsort) der Medikamente erzielen.

Die gerinnungshemmende Wirkung des Speichels kann positiv bei zuvor ärztlich behandelter Thrombose, d.h. nach ihrer klinischen Behandlung und zur Vorbeugung eines erneuten Auftretens genutzt werden. Auch bei einem bestimmten Krankheitsbild des Blutes, der Polyzythämia vera (übermäßige Vermehrung aller Blutzellen) kann man Verbesserungen erzielen.

Der Blutegelspeichel kann die Fließeigenschaften des Blutes durch Blutverdünnung verbessern (steigert die Viskoelastizität).Damit wird erzielt, dass die Durchblutung selbst in den kleinsten Gefäßen besser gewährleistet ist.

Die entzündungshemmenden Komponenten des Egelspeichels können sehr sinnvoll zum Beispiel bei Gelenksentzündungen, diversen Hautentzündungen, Entzündungen der Nerven, der Organe, der Geschlechtsteile und auch der Sinnesorgane eingesetzt werden.

Auch bei akuten und vor allem schlecht heilenden Wunden, kann man den Wirkcoctail des Egelspeichels zuhilfe nehmen, um den Zustrom des Blutes zur Wunde anzuregen wenn in nächster Nähe Egel angesetzt werden. Somit ist eine Verbesserung der Durchblutung vor Ort (Zufuhr von Nährstoffen und Sauerstoff, sowie Abtransport von Co2 und Schlackenstoffen) zu erwarten.

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Es wird momentan noch daran geforscht, ob der Blutegelspeichel zur Wachstumshemmung und in manchen Fällen sogar auch zur Abtötung von Bakterien genutzt werden kann. Hierzu liegen aber bislang noch keine Untersuchungsergebnisse vor. Es wird allerdings in Betracht gezogen.

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Das Immunsystem kann durch den Speichel der Egel stimuliert werden. Somit ist es möglich, eine Aktivierung des geschwächten Immunsystems (z.B. bei häufigen Infekten) und eine Steigerung der natürlichen Immunreaktion zu erreichen.

Es wurde auch beobachtet, dass bei einer leichten Form der Depression die Blutegeltherapie zur Stimmungsaufhellung beitragen kann.

Es besteht die Möglichkeit, den Egelspeichel zur Stimulation des Nervenwachstums zu verwenden. Diese käme z.B. bei schweren Verletzungen (mit Teil-oder Komplett-Amputationen von Gliedmaßen und Replantationen), nach schwersten Verbrennungen mit Hauttransplantationen oder auch ggf. bei Multipler Sklerose in Betracht.

Der Aderlass durch den Egel wirkt in erster Linie entstauend und druckausgleichend. Von dem her ist er z.B. gut geeignet bei Bluthochdruck!

Durch den Blutverlust wird der Körper angeregt, frisches, neues Blut zu bilden. Eine gewünschte "Frischzellkur" tritt ein.

Der Aderlass entlastet das Kapillarbett an der Egel-Ansatzstelle. Somit können lokale Stauungen und Schwellungen, z.B. nach akuten Verletzungen, besser reguliert werden.

Ist eine lokale Entzündung zugegen, besteht die Möglichkeit einen Teil der Entzündungskomponenten, durch das blutige Ausleiten über die Bissstellen direkt am Entzündungsherd zu reduzieren ("die Krieger von der Front abziehen").

Der Aderlass kann generell "entgiftend" genutzt werden.

Wird zur Ader gelassen, regt es auch immer gleichzeitig den lymphatischen Abfluss an!

Diese Art des Aderlasses ist sehr sanft und kreislaufschonend.

Pro Egel rechnet man insgesamt mit einem etwaigen Blutverlust von 15 -40 ml. Durch den steten sickerartigen Blutfluss wird die Wunde des Egelbisses "gewaschen". Ein Zustrom gerinnungsfördernder und immunologischer Komponenten wird angeregt.

"...damit sind die Tiere allen uns bisher bekannten Verfahren zur Schmerz- und Entzündungslinderung überlegen."
(Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Immanuel-Krankenhaus Berlin)

Wichtige Information: aus familiären Gründen muss ich meine Praxis bis auf weiteres schließen.

Leider kann ich bis auf weiteres keine neuen Patienten mehr annehmen und auch keine Fragen beantworten.

Viele Grüße
Ihre Heike Berner-Walz